Wer kennt es nicht? Man sitzt im Zug, will gerade eine wichtige Mail abschicken oder die Lieblingsserie streamen – und plötzlich: Funkstille. Sobald die Fahrt in einen Tunnel führt, kapitulieren die meisten Mobilfunknetze vor Beton und Gestein. Auf der Magistrale für Europa soll das bald der Vergangenheit angehören – zumindest im Bereich des Rastatter Tunnels.
Ein Riese auf vier Beinen
Dort, wo der Tunnel Rastatt beginnt, ragt seit kurzem ein 40 Meter hoher Mobilfunkmast in den Himmel. Birte Naamnih vom Bahnprojekt Karlsruhe – Basel betreut das Vorhaben und weiß: Dieser Mast ist alles andere als „Standard“. Ganze 50 Tonnen bringt die Stahlkonstruktion auf die Waage.
Das Problem dabei? Der Standort. Der Mast thront auf einer steilen Böschung. Würde man ihn einfach dort platzieren, würde sein enormes Gewicht direkt auf das Trogbauwerk des Tunnels drücken und dieses im schlimmsten Fall beschädigen.
Die Lösung der Ingenieure ist so unsichtbar wie genial: Der Mast gründet in zwölf Metern Tiefe auf vier massiven Bohrpfählen. Diese entkoppeln das Gewicht des Mastes komplett vom Tunnelbauwerk. Er steht quasi „über“ den Dingen und garantiert Stabilität, ohne die Infrastruktur zu belasten.
Das Nervensystem unter der Erde
Doch der Mast ist nur der sichtbare Teil eines komplexen Systems. Direkt daneben befinden sich zwei massive Betonschalthäuser, die das Herzstück der Anlage bilden:
- Sicherheitsfunk (BOS): Ein Schalthaus ist exklusiv für den nicht-öffentlichen Funk reserviert. Er dient der Kommunikation von Rettungskräften und der Bahn – essenziell für die Sicherheit im Notfall.
- Öffentlicher Mobilfunk: Das zweite Haus sorgt dafür, dass Fahrgäste auch bei 250 km/h vernetzt bleiben.
Wie gelangt das Signal nun in die Röhre? Die Schalthäuser sind unterirdisch miteinander verbunden. Im Tunnel selbst übernehmen sogenannte Strahlerkabel den Job. Diese fungieren wie kilometerlange Antennen, die das Signal gleichmäßig durch die gesamte Tunnelröhre leiten.
Ein Gewinn für die gesamte Region
Das Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie moderne Bahninfrastruktur auch dem Umfeld zugutekommt. Neben den Fahrgästen auf der europäischen Magistrale profitieren auch die Menschen in der Umgebung von einer deutlich verbesserten Netzabdeckung.
Nachdem der Mast im Norden nun steht, folgt als nächster Schritt das Pendant im Süden. Sobald beide „Helden“ aktiv sind, ist die digitale Lücke am Tunnel Rastatt endgültig geschlossen. Ein kleiner Schritt für den Fahrgast, der einfach nur weitersurft – aber eine große Ingenieursleistung hinter den Kulissen.
Quelle: DB Infra GO: Bahnprojekt Karlsruhe – Basel